Archiv für den Monat Mai 2015

Entscheidung

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Seit die Entscheidung getroffen ist wieder heimzufliegen kann ich die Zeit hier in Goa auch wieder geniessen. Ich hab nicht mehr das Gefühl der Offsaisonstimmung davon fahren zu müssen. Aber was mich ganz genau wieder heimtreibt, ist schwierig zu sagen!

VorGestern sowie gestern hab ich so viel Zeit in einer Travelagentur verbracht und versucht als nächsten Schritt weiter nach Mumbai zu kommen. Selbst früh morgens, was die Beste Zeit zum buchen ist, gab es keine Züge mehr zum buchen…. nicht mal einen per Emercencyqouta….
Das war mir dann doch alles irgendwie zu viel und die letzten Geschäfte die hier noch offen haben schliessen am Samstag! erstaunlich das es leichter ist einen Flug zu bekommen als ein Zugticket.

Zum 5. Juni wird hier der Monsun erwartet und einige Inder reisen zurück nach Rajasthan, Varanasi also in den Norden, wo ihren Familien Teilbereiche Monate auf sie warten, wenn sie nicht mitgekommen sind.
Wir konnten beobachten, wie eine Familie, ihren kompletten Shop zusammenpacken, samt Dach und alles Hab und Gutbauf einen kleinen Lastwagen luden. Der Mann setzte sich ans Steuer, Frau und Kinder wo das Ältere der beiden vielleicht gerade Zwei Jahre alt war, sassen hinten auf den ganzen Sachen. Und so werden sie wohl auf ein Reise in den Norden gehen, die wohl mehr als zwei Tage in Anspruch nimmt.

Natürlich frag ich mich ob ich zu früh aufgegeben habe, da ich noch so viel sehen wollte. Selbst Elias hat mich gefragt, “aber warum bleiben wir nicht bis August?“!

Gemischte Gefühle machen sich natürlich breit was die Heimreise  bzw. Die Entscheidung betrifft.

Offsaison

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Mit guter Stimmung stiegen wir in den Zug. Die erste Etappe, war der Zug zwar sehr verspätet, aber im Zug vergingen die zwei Stunden ganz schnell.
Da wir nach 21 Uhr schon in Ernakulam waren, hatten wir bis 23:30 jede Menge Zeit zu überbrücken….
Toilette, Snack s kaufen und es gibt an Bahnhöfen einen extra Frauenwarteraum, den wir nutzten.
Mit meinem blonden Kind hatte ich das volle Aufsehen, des gesamten Raumes…. und als ich hörte der PoornaExpress ist schon am Gleis, suchten wir den Zug.
Der Zug stand da, unbeleuchtet, aber einige machten sich schon zu schaffen ihr Gepäck zu verstauen.
Etwas hin und hergerissen zwischen dem dunklen Zug und dem hellen Bahnsteig. Öffneten wir ein paar Fenster, so das etwas Licht hereinfällt…. Neben uns stand auch ein Zug und es roch entsetzlich nach Pipi! juhu der Toilettenwagen neben uns und man konnte es schön auf die Gleise rinnen sehen!
Uns den Grossen Rucksack hab ich vorsichtshalber mal abgesperrt und ihn kann keiner mehr davon tragen. Elias lag am Anfang bei mir, da wir schon, so als Weisse aufsehen erregten. Aber als ich mir den dünnen BaumwollSari, den ich als Unterlage und Decke nutzen konnte über den Kopf zog, konnten wir nicht tief, aber zumindest etwas schlafen! Trotz das die Ventilatoren auf Hochtouren liefen, war es sehr heiss! Elias ging irgendwann nach oben und schlief dort tief und fest! Ich hatte nur Bedenken das mir jemand mein schlafendes Kind davon trägt!

Mittag kamen wir am Bahnhof Gokarna an! Sah ziemlich ausgestorben aus!
Ein schlecht gelaunter Rikschafahrer brachte uns zum Om beach.
Ausser der einen Unterkunft, die wir uns rausgesucht hatten, war weit und breit nichts anderes geöffnet.
Nicht mal ein kleiner Shop.
Der Strand, wenn er den bei Ebbe wieder da ist, ist zwar sehr schön, aber es ist zu ausgestorben! Und sonderlich wohl fühlte ich mich nicht als wir unter den Augen von einigen Fischern ins Meer gingen und ein paar indischen Touristen, die uns ständig fotografieren wollten.
Ziemlich schwierig liess sich für den nächsten Tag ein Bus ganz früh am Morgen herausfinden um nach Hallo zu kommen.
Doch 3 mal umsteigen und über 10 Stunden im Lokalbus sitzen.
Früh aufgestanden und ohne Frühstück los, weil Gastfreundschaft in der Offsaison kann man nicht erwarten und mit der Rikscha zum Busbahnhof.
Da dort auch ein Bus nach Goa stand nahmen wir kurzerhand den, da mir 4 Stunden im Bus erträglicher erschienen.
In Padnem liess uns der Busfahrer kurz entschlossen früher aussteigen, den so müssen wir den Weg vom Bahnhof nicht wieder zurück ans Meer fahren.
Eine Rikscha brachte uns wieder zu einem Resort, was im Lonely Planet, mit über das Ganze Jahr geöffnet, angepriesen wurde.
Doch der Eigentümer musste erst gefunden werden. Die Rezeption die in einer vergammelten Garage zu finden war erst aufgesperrt und die Zimmer erst hergerichtet.
No breakfast, no Dinner! Dorf nur mit fahrbaren Untersatz erreichbar….
No thank you!
Weiter mit der Rickscha nach Palolem, wo derzeit auch tote Hose ist, aber man am Strand doch noch ein paar Lokale finden kann.
Strand, mal drüber nachdenken wir es weitergehen soll, schlafen!
Der Gedanke “ich will heim“ macht sich immer breiter.

Zwischen Mantra und Nervenzusammenbruch

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Rückblickend haben wir viele schöne Momente in Amritapuri verbracht. Von Amma bekamen wir sowohl am Donnerstag als auch am Sonntag einen Abschiedsdarshan, wo sie unsere neu errungene Ammapuppe gesegnet hat. Die uns ab nun hoffentlich  immer beistehen wird. Auch hat uns Amma am Donnerstag eine Rudrakshakette umgehängt. Und ich habe bis zum Schluss des Darshans gewartet und noch ein Mantra von ihr erhalten. Was gar nicht so leicht war, da ich mal wieder entsetzliche Kopfschmerzen hatte und der Darshan erst um 4 Uhr morgens endete.

Die Sevas die ich während des Darshans immer mal wieder auf der Bühne machen konnte, waren sehr schön und zeigten Amma in voller Liebe und Verständnis für jeden.

Sonst verging die Zeit recht flux…. Jeden Tag eine Stunde in den Pool, Seva machen, mal Rudraksha s sauber schrubben  und mal über Stunden in der Küche abtrocknen.
Nachmittags gab’s oft am Jucestall einen herrlich leckeren Juce.
An einigen Tagen regnete es nun auch, der Himmel war meistens bedeckt und die Sonne hatte nur wenig Chancen. Warm war es trotzdem und es gab Riesen Pfützen. “Treibhausfeeling“.
Die Wäsche trocknete kaum noch, oder nur recht schwierig, was oft ein Spiesrutenlauf wurde. Wenn es gerade trocken war kam die nasse Wäsche hinaus und kurz drauf kam der Regen, also musste die Wäsche wieder hinein…

Elias seine teuren Kamin Trekkingsandalen konnten dieser Nässe nicht trotzen und so brach ein Schuh völlig entzwei. Was auch eine kleine Katastrophe war, weit und breit keine anderen annehmbare Schuhe.
Mit Heisskleber rückten wir dann diesem Problem auf den Leib. Vielen Dank der netten Helferin und Spender!
Kann man so die Schuhe noch reklamieren ;)?

Mittlerweile haben wir vieles im Ashram erkundet und wissen oft Wege, die Touristen oder die Besucher für Amma nicht wissen. Trotzdem ist es jetzt im Ashram ziemlich voll. Einige wollen Amma noch sehen bevor sie auf USA Tour geht. Elias kennt mittlerweile vielte Leute die dort leben.
Und da ich schon das Gefühl habe, in meinem Wohnzimmer (in der Halle wo Amma Darshans gibt) findet eine Party statt, so zuhause fühle ich mich hier schon…
Fehlt nur noch ein Gaskocher, den ich schon dankend abgelehnt habe, dann ist es als würden wir hier wohnen.
Aber immer wieder habe ich auch das Gefühl das mir hier die Decke auf den Kopf fällt…
So viele Leute, jeder meint es gut und alle haben einen Rat, egal ob es um die Erziehung von Elias oder unsere weitere Reise geht, oder einfach nur gemeint wird, wir sollen doch hier leben.
Als es auch nur noch Wartelisteplätze für den Zug nach Gokarna gab, kam die Decke wirklich nahe… Und ich bekam dann doch mal die Krise.
Über fünf Tage wartete ich, ob wir mit dem Zug doch noch mitkommen. So eine Travelagentur in Indien ist auch nicht die fitteste und ich musste ganz genau sagen von wo nach wo ich möchte. Hätte ich keine Ahnung gehabt wären wir in einem Bus für 3000 Rupee gelandet… und dank meines mässigen Wissens zumindest einen Wartelistenplatz ergattert….
Nach fünf Tagen wo ich mir das Hirn zermartert hab und ganz viel anderen Meinungen gehört habe …
Angefangen von…lass es auf dich zu kommen… sofort umtauschen… die Amma wir das schon machen… Bis hin zu… für immer bleiben.
Hab ich mich dann doch für meinen eigenen Weg entschieden und bin nach Kajamkulam zum Bahnhof gefahren, wo ich per Touristquota, ab Ernakulam eine Sleeper Zug nach Gokarna bekommen habe und sogar eine Sitzplatzreservierung in dem Zug von Kajamkulam nach Ernakulam…
Schnell wieder zurück in die Nähe vom Ashram und in der Nähe noch das Wartelistenticket umgetauscht um nicht so viel Geld zu verlieren…

Unser Flat zusammen zu packen war relativ schwierig, es sammeln sich ja einige Sachen an und so viel musste auch noch an verschiedene Leute verteilt werden.
Doch Montag am späten Nachmittag ging es los.

Unter den Fluegeln von AMMA

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Am 2. Mai um 19;30 Uhr sind wir von der Tour mit Amma zurueckgekommen.

Es hat jetzt ein paar Tage gedauert, das ich hier schreiben konnte, aber es musste alles erstmal sacken…

Es waren viele Eindruecke, sehr viele und viele Erlebnisse und Ereignisse kann ich gar nicht einsortieren und einschaetzen, wie das mein westlicher Geist so oft von mir verlangt.

Ich kann euch jedoch von meiner ersten Begegnung mit AMMA berichten!

Die Meisten sassen schon bei ueber 40 Grad in einer riesigen ueberdachten Wellblechhalle in Manjeri, die gerade noch fertig zusammengebunden und fertig ueberdacht wurde.

Elias und ich holten uns noch schnell Wasser und versuchten den Massen und der Hitze auf unseren Plastikstuehlen zu entfliehen. Gerade als wir unsere Flaschen gefuellt hatten und von der Schule hinab auf die Halle und die vielen Menschen blickten kam AMMA aus ihrem Zimmer.

Unweigerlich kamen mir ploetzlich die Traenen und Elias zappelte neben mir, „DIE AMMA, DIE AMMA, DIE AMMA!“ Ein Gefuehl losgeloest von Zeit und Raum kam in mir auf….

Warum kamen mir die Traenen? Warum zieht einem eine noch nie gesehene Person so in den Bann?

AMMA machte kurz vor uns kehrt um vom Balkon herunter zu sehen und sich, denke ich, den Brahmastanentempel fuer die Einweihung am naechtsten Tag anzusehen.

An Abend sang Amma Bajahns und gab Prasad, d. h.sie verteilt bzw. segnet fuer alle das Abendessen. Es wird ein Mantra gesungen und das Essen wird Teller fuer Teller durch die Halle gereicht. Erst wenn wirklich alle haben und Amma zu essen beginnt wird gemeinsam gegessen.

Es gab jedoch auch andere Momente, in welchen ich oft haderte ob wir die Tour nicht verlassen sollen. Es gab einige Momente an welchen ich oft an meine Grenzen gekommen bin.

Vier Stunden bei Hitze auf einem Stuhl verharren und von dem Vortrag nichts verstehen und das alles nachdem ich um 5 Uhr morgens aufgestanden bin, schon zwei Stunden Busfahrt hinter mir hatte und noch sechst Stunden Busfahrt vor mir hatte . Von der meist herschenden Lautstaerke den Menschenmassen ganz zu schweigen und von den Indern, die einfach ein ganz anderes Empfinden fuer Naehe haben, als wir distanzierten Westler!

Mit ca. 150 anderen Ashrambewohner in einem muslimischen Auditorium weiter weg vom Veranstalungsort untergebracht zu sein, war fuer mich eine weitere Herausforderung. Elias hatte immer und ueberall Kontakte, nahm alles wie es kam mit Leichtigkeit und wurde fuer sein sonniges und offenes Wesen sehr bewundert!

Ein schoener Moment war fuer mich, nach der Prasadgabe von AMMA, als wir alle zurueck zu unseren Schlafplatz kommen mussten! Fuer so viele Leute wurde ein viel zu kleiner Schulbus bereitgestellt, der uns alle fahren sollte und so quetschten sich alle in den Bus, so das es mich fast beim Fenster wieder rausgedrueckt haette. Elias sass beim Fahrer ;). Und als sich der Bus in Bewegung setzte herrschte keine schlechte oder gequaelte Stimmung, nein, gemeinsam sangen wir das Mantra, bis der Bus uns absetzte.

Jeden Tag wenn Programm war und Amma Darshan gab, hatte ich eine 30 Minuetige Schicht hinter AMMA. Ich stoppte die Zeit fur den Prasadsupervisor, der dann dem Prasadgeber sagen musste wann er fertig ist.

Wenn AMMA Darshan gibt laeuft das hier in Indien ziemlich schnell ab, da es einfach soooooooooooo viele Menschen sind und jeder bekommt ein Prasad (Geschenk) von ihr und dazu werden immer Leute benoetigt die ihr das in die Hand geben. Das ist eine sehr beliebte Aufgabe, da man so AMMA sehr nahe sein kann. Somit muss die Zeit eingeteilt und gestoppt werden und es werden Leute benoetigt die die „Prasadgeber“ einlernen!

Die Zeit hinter AMMA habe ich sehr genossen und es war wunderbar in die groessten teils indischen Gesichter zu blicken, die vor Vorfreude strahlten, weinten oder gespannt zu ihr vorblickten.

Die Spiritualitaet des Landes beeindruckt mich sehr und mit was fuer einer Hingabe (ein Teil) der indischen Bevoelkerung „ihren Guru“ erehrt.

Wer noch nie in Indien war, kann sich die Stimmung bei der Einweihung eines Tempels nur schwer vorstellen. Es ist unglaublich heiss (wahrscheinlich die Temperatur und die aufgeheizte Stimmung), ein Menschengedraenge und alles singt und betet. Aber es ist keinesfalls leise, so wie bei uns in den Kirche, sondern es herrscht eine ausgelassene Stimmung. Voller Elan wird getrommelt und die Mantras ertoenen so das ich immer oefters das Gefuehl hatte, die Stimmung ist kurz vorm kollabieren, so sehr brodelte die Stimmung.

Am zweiten Programmtag in Manjeri bekamen Elias und ich unseren ersten Darshan und ich ging in Trissur zwei Tage spaeter Abends alleine nochmal, da mir eine ganz Liebe ihren Token geschenkt hat. Ich war beidemale wahnsinnig aufgeregt und es ging viel zu schnell vorbei.

Ein magischer Moment war auch als AMMA an mir und Elias im Schulgebaeude in Manjeri an uns vorbei zum Programm ging! Sie strahlte Elias so sehr an und er stand wie angewurzelt  da. Wenn Elias neben ihr auf der Buehne sass, war es so, als kannten die Beiden sich schon lange… (Elias ist auch in der hier lokalen indischen Zeitung, mit Amma zu sehen.)

Auch bei meinem zweiten Darshan war das Gefuehl so, als wollte AMMA mir sagen, „Hey du, ich hab dich vor ein paar Tagen schon mal gedrueckt, schoen das du aber da bist meine Liebe.“

Ja, das klingt wohl aus der westlichen Welt betrachtet ziemlich abgehoben…

Das muss einfach jeder selbst erleben und spueren.

Was zwischenmenschlich so anlaueft und das oft Welten aufeinander prallen jeder so mit seinen Eigenheiten, das ist wohl relativ normal, bei so vielen Menschen aber oft auch sehr zermuerbend.

Worueber sich auch jeder selbst ein Bild machen muss und ich es selbst nach der Tour und noch 5/6 Wochen Ashram nicht einschaetzen kann, ist warum doch so deutlich zwischen Westler und Inder unterschieden wird.

Mir ist die getrennte Essensausgabe sehr sauer aufgestossen…! Bei den Westlern weniger Leute und kaum eine Schlange… und bei den Indern – Menschenmassen, die ueber Stunden in der Sonne warten und die auch arbeiteten und lange Anreisen hatten.

Wieso nicht bei gleichem Essen, gleiches Recht fuer alle? Oder durchblicke ich da etwas nicht?

Auch sassen hinter AMMA ganz oft viele Westler, selbst die das Arcana gesungen haben oder Ammassari richteten waren westlich! Weder Archana noch Sari sind in unserer Kultur verankert…. Warum dann dafuer Westler?

Auch hier verstehe ich den Grund dafuer nicht! Oder ist es AMMA die das ALLES schon so macht, wie es gut ist…?

Oder machen wir Westler uns einfach ueberall breit? Ein grosses Fragezeichen fuer mich!

Ich war froh mit auf Tour gewesen zu sein, aber nach den verschiedenen Unterbringungen in AMMA Schulen, scharfem indischen Fruehstueck, Duschen aus eimern, keine Privatsphaere, ohne Kindle, Buch, Handy und Internet freuten wir uns auf das Ashram und die paar Habseligkeiten die dort auf uns warteten….

Zurueck im Ashram warten wir nun jeden Tag auf AMMA, die mit Roomdarshan sehr beschaeftigt ist, bevor sie dann bald wieder auf Amerika und Europatour geht…!

In Muenchen mag ich sie auf alle Faelle wieder treffen!

(Schreib bald mal wieder… verabschiede mich nun aus einem an der Strasse gelegenen Internetschuppen bei 50 Grad… Wo alles klebt und ich so sehr schwitze…)